Linz – Stadt der Medienkunstforschung

Ein wesentlicher Schritt in der Stärkung und Weiter­entwicklung von Linz als „Medien­kunst­stadt“ ist der Erwerb des Archivs von VALIE EXPORT, der in Linz geborenen, welt­bekannten femini­sti­schen Medien- und Performance-Künstlerin, sowie die Einrichtung des VALIE EXPORT Center in der Tabakfabrik. Mit dem Archiv der Ars Electronica  – eines der weltweit umfang­reichsten Archive zur digitalen Medienkunst der letzten 35 Jahre – werden in Linz also zwei der international bedeutendsten Medien­­kunst­­archive beheimatet sein.

Das VALIE EXPORT Archiv enthält Kunstwerke, Skizzen, Entwürfe, Negativ­­materialien, Werk- und Ausstellungs­­dokumentationen, Korrespondenzen, Foto­­dokumentationen, Plakate und Bücher und wird in den Sammlungs­­bestand des LENTOS Kunst­museum eingebracht, wo es musealen Grund­sätzen entsprechend verwendet und aufbewahrt wird. Das VALIE EXPORT Center – Forschungs­­zentrum für Medien- und Performance­­kunst wird in Kooperation mit der Kunst­universität Linz betrieben und ist der wissenschaft­­lichen Auf­arbeitung und Zugäng­lich­machung des Archivs gewidmet. Es soll auch Impulse für die künstlerische, wissen­schaft­liche und vermitt­lerische Auseinander­­setzung mit Medien- und Performance­kunst weltweit liefern und als Ausgangs­punkt für Forschungs­­tätigkeiten Dritter fungieren bzw. diese ermöglichen und unterstützen.

Während VALIE EXPORT in erster Linie mit den Medien Fotografie, Film und Video arbeitet, ist das Archiv der Ars Electronica eine Chronik der computer­­gestützten Kunst. Der Bestand der Ars Electronica ist ein vielfältiges Konglomerat an künst­lerischen Arbeiten, Dokumenta­tionen von Projekten, Ausstellungen und Aktivitäten im breiten Feld der inter­nationalen Medien­kunst von über 35 Jahre. Es umfasst Dokumenta­­tionen des Ars Electronica Festival seit 1979, das Archiv des Prix Ars Electronica mit den Einreichungen der Künst­lerInnen sowie Dokumenta­­tionen zu Projekten des Ars Electronica Futurelab und zu inter­nationalen Ausstellungen. Es bietet nicht nur einen repräsentativen Quer­schnitt durch das weite Felds der Medien- und digitalen Kunst, sondern auch einen historischen Abriss ihrer Träger­­medien und -formate, aus denen die Arbeiten vielfach ihre Erscheinungs­form beziehen. Mit Beiträgen zu den Themen­­bereichen Computer­­grafik, Computer­­animation, Computer- und digitale Musik, interaktive Kunst, Netzkunst, Software, Mixed Realities, Medien-­Performance, Bio Art und Robotik werden sowohl explizit ästhetische Strategien als auch implizit die ihnen zu Grunde liegenden technischen Bedingungen dokumentiert. Es wurde ein server­­basiertes digitales Archiv entwickelt, das sich auf eine komplexe Datenbank­­struktur mit Metadaten und verknüpften Digitalisaten (Video, Audio, Bild, Text) stützt. Zum jetzigen Zeitpunkt umfasst es bereits über 150.000 Einträge mit einem Speicher­­volumen von ca. 60 Terabyte und über 4 Millionen verknüpften Dateien.

Beide Archive sehen sich mit denselben Heraus­­forderungen konfrontiert: die Diversität der Träger­medien, die aufwändige Digitalisierung von Printmedien, die Komplexität der Langzeit­­archivierung, die öffentliche Zugäng­lich­machung (online und physisch) für Forschungs- und Studien­zwecke.

Zum Weiterlesen:
Interview mit der Direktorin des LENTOS Kunstmuseum, Stella Rollig
Interview mit VALIE EXPORT

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